Anbau nachwachsender Rohstoffe als Kompensation in der Eingriffsregelung - Verbundprojekt ELKE

AUTOR: Frank Wagener* (Birkenfeld) * Bereichsleiter Biomasse und Kulturlandschaftsentwicklung, Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS), FH Trier - Umwelt-Campus Birkenfeld, Fon: +049 (0) 6782 17 - 26 36, E-Mail:

Land- und Forstwirtschaft haben sich bereits seit vielen Jahren als verlässliche Partner in der Schutzgebietspflege bewährt und damit das seit den 1980er Jahren u.a. von Wolfgang Schumacher eingeführte Prinzip "Naturschutz durch Nutzung" so erfolgreich umgesetzt, dass es mittlerweile in ganz Deutschland verfolgt wird. Ein sinnvoller Ansatz von "Naturschutz durch Nutzung" kann dabei die Inwertsetzung von Biomasse aus der Landschaft(spflege) für die energetische Nutzung sein. Eine Ergänzung und Erweiterung dieses Prinzips besteht in der gezielten Gestaltung von Anbausystemen mit Nachwachsenden Rohstoffen mit dem Ziel einer neuen, gemeinsamen Option für den angewandten Naturschutz und den Landbau (Heck & Wagener 2007).

An dieser Stelle setzt das neue Prinzip "Naturschutz durch Landbau", welches in ELKE erarbeitet wird, an und verfolgt die Ziele des § 1 des Bundesnaturschutzgesetzes, nämlich die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts einschließlich der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter mit der Sicherung/Steigerung biologischer Vielfalt zu kombinieren (BNatSchG n.F. 2009).

Bereits 1972 legte Wolfgang HABER mit seinem Konzept der "differenzierten Landnutzung" eine wesentliche Grundlage für die Kombination von nachhaltiger Landnutzung mit dem Arten- und Biotopschutz im angewandten Naturschutz. Wesentlicher Ansatz ist die Steigerung der Vielfalt in der Landschaft als Grundlage für die Biodiversität von Flora und Fauna. Das macht insbesondere Sinn, weil mit einer Erhöhung der Strukturvielfalt (im räumlichen und zeitlichen Rhythmus von landwirtschaftlichen Kulturen) verschiedenartige Lebensräume in unserer Kulturlandschaft Platz für mehr Arten bieten. Das Konzept des Biotopverbundes (vgl. Jedicke 1994) durch gezielt eingesetzte Strukturen (im Sinne von "Verbindungsflächen und Verbindungselementen" BnatSchG 2010) unterstützt den Austausch und erhöht die Aktivitätsdichte von Tieren. Pflanzen - auch die der landwirtschaftlichen Kulturen - bieten dazu eine Lebensgrundlage, wobei gerade wildlebende Pflanzen unter anderem durch z.B. Samentransport wiederum von der Aktivität der Tiere aber auch von der Kulturtätigkeit des Menschen profitieren können (sogenannte Kulturfolger, wie z. B. Segetalarten).

Wichtige Fragestellungen in ELKE aus Sicht der Vegetationskunde und Floristik liegen zum einen in den "Rahmenbedingungen" für heimische und gefährdete Arten durch die Wahl der Kulturen wie auch den damit verknüpften landbaulichen Maßnahmen als auch der Frage nach einer geeigneten Übersetzung alter in neue Kulturen. Die notwendige Vielfalt im Raum wird in ELKE durch die Kombination von regional eingepassten Landbausystemen erreicht. So werden sowohl Agrarholzsysteme als auch Gemenge bis hin zu Kräutermischungen erprobt, die im Sinne eines echten Mehrnutzungskonzeptes Biomasseproduktion mit Leistungen des Naturschutzes wie auch möglicher weiterer Nutzungsansprüche verknüpft. Entscheidend ist die gezielte (und regelmäßig wiederholbare) Integration der verfolgten Struktur- und Artenschutzfunktionen in Kulturen, die auf landwirtschaftlichen Nutzflächen angebaut werden und die die Vielfalt im betrachteten Raum signifikant erhöhen. In 2011 werden an vier Modellstandorten in Deutschland umfangreiche Feldversuche auf Praxisschlägen durchgeführt.

Bundesverbundprojekt ELKE, Phase III 2010 - 2012, mehr Informationen: www.landnutzungsstrategie.de

Dieses Verbundprojekt wird gefördert durch die FNR e.V. mit Mitteln des BMELV.